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- WISSENSWERTES - |
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~ Wir haben hier für Sie einige interessante Artikel zusammengestellt - viel Spaß beim Lesen!! ~
Bauchgefühl - endlich wissenschaftlich erforscht!
Kann der Bauch denken oder fühlen?
Der Volksmund wusste es schon immer: Man entscheidet mit dem Bauch. Aber kann der Bauch denken, oder fühlen? Dem sind Forscher in aller Welt auf der Spur. Wissenschaftler in Hannover stellen nun erste Ergebnisse vor - zum Darm, dem "zweiten Gehirn" des Körpers. mehr...
Jugendliche profitieren zumeist von digitalen Medien
Die positiven Effekte des Internets
Neue Studien belegen, dass Teenager sozial und intellektuell von digitalen Medien profitieren
Jugendliche, die täglich viele Stunden im Internet verbringen, werden einsam und vergeuden wertvolle Zeit, die sie zum Lernen und für persönliche Kontakte nutzen könnten. Dies war lange Zeit die vorherrschende Meinung in der psychologischen Literatur. In der letzten Zeit jedoch scheinen die Wissenschaftler ihre Vorbehalte gegenüber digitalen Medien zu revidieren. In einem Übersichtsartikel beleuchten Patti Valkenburg und Jochen Peter von der Universität von Amsterdam den Perspektivwechsel in den letzten 15 Jahren.
Während mehrere Studien aus den 1990er Jahren zeigten, dass sich intensive Internetnutzung negativ auf die Sozialbeziehungen von Jugendlichen auswirkt, kommen Untersuchungen aus der jüngeren Zeit zu einem gegensätzlichen Ergebnis: Das Internet verbessert die soziale Verbundenheit und dadurch auch das Wohlbefinden der Teens.
Wie lassen sich die widersprechenden Resultate erklären? Die Cyberwelt von heute, argumentieren Valkenburg und Peter, sei nicht mehr mit der Situation in den 1990er Jahren zu vergleichen.
Früher war digitales Surfen ein Minderheitenphänomen; jugendliche Internetnutzer gehörten zu einer kleinen, isolierten Gruppe und kommunizierten online vornehmlich mit Fremden. Heute dagegen werden Instant Messaging und soziale Netzwerke von der überwiegenden Mehrzahl der Jugendlichen genutzt, wobei der Austausch vor allem zwischen Freunden stattfindet. Weil es vielen Jugendlichen, insbesondere Jungen, leichter fällt, Gefühle, Unsicherheiten und Träume online zu offenbaren, hilft ihnen das Internet, Freundschaften zu vertiefen und befriedigender zu gestalten.
Zu einem ähnlich positiven Ergebnis kommt eine der bislang umfangreichsten US-amerikanischen Studien von der MacArthur Foundation. Über einen Zeitraum von drei Jahren untersuchten 28 Forscher die Internetnutzung von 800 jungen Leuten: Sie führten Interviews mit den Teilnehmern und ihren Eltern, beobachteten, was die Teenager auf Facebook, MySpace und anderen Netzwerken so taten, und ließen sie Internettagebücher führen. Das Fazit:
Jugendliche eignen sich in der Cyberwelt wichtige soziale, technische und intellektuelle Fähigkeiten an. Die jungen Leute seien meist sehr motiviert, per Onlinekontakt von ihren Peers zu lernen. Sie schätzten die selbstgesteuerte Informationssuche, die sich fundamental vom typischen Schullernen unterscheide. Manche stiegen dank Internet tief in Interessengebiete wie Astronomie, kreatives Schreiben oder exotische Sprachen ein.
Die Wissenschaftler wollen ihre Studien allerdings nicht als Glorifizierung des Internets missverstanden wissen. Valkenburg und Peter warnen, dass die enthemmende Wirkung des Internets auch negative Folgen in Form von Onlinebeleidigungen oder Cyberbullying haben kann. Die Studie der MacArthur Foundation weist auf die Schwierigkeit hin, die eigene Onlineidentität in Form von Profilen, Fotos, Filmen und Nachrichten zu kontrollieren. Auch würden die Informations- und Lernmöglichkeiten des Netzes bei weitem nicht von allen Jugendlichen ausgiebig genutzt.
Von Annette Schäfer (http://www.psychologie-heute.de/themen_und_trends/heft1002.html-Abruf vom 09.03.2010)
Kennen wir uns wirklich selbst?
Kennen wir uns selbst am besten?
„Gnothe seauton – erkenne dich selbst“, forderte schon im antiken Griechenland eine Säuleninschrift die Besucher des Apollontempels in Delphi auf. Doch kann man sich überhaupt selbst kennen? Unwillkürlich gehen wir alle davon aus, dass wir selbst unser einzig wahrer Kenner sind. Schließlich wissen nur wir allein und niemand sonst, was in uns vorgeht, was wir fühlen, denken und empfinden. Aber wie zutreffend ist dieser Blick von innen? Ist das, was ich von mir wahrnehme, tatsächlich identisch mit der Person, die ich bin? Bin ich nicht oft blind für meine Schwächen, vielleicht sogar blind für meine Stärken? Gewährt am Ende der Blick von außen – der des Partners, der Freunde, ja sogar wildfremder Personen – eine klarere Sicht aufs Selbst?
Selbst die Persönlichkeitsforscher sind sich da nicht ganz sicher. Doch der Einfachheit halber tun sie meist so, als seien wir selbst unsere besten Kenner: Sie verwenden Fragebögen, in denen sie ihre Probanden bitten, sich selbst anhand vorgegebener Aussagen zu beschreiben – und sortieren die Befragten nach diesen Selbstbeschreibungen in Kategorien ein. Solche „Persönlichkeitstests“ beruhen also letztlich auf dem tautologischen Prinzip: Sage mir, wer du bist – und ich sage dir, wer du bist. Simine Vazire, Psychologin an der Washington University in St. Louis, ist nicht davon überzeugt, dass diese Selbstbeschreibungen ein rundum zutreffendes Bild von der Persönlichkeit vermitteln. „Ich denke, wir sollten diese reflexhafte Reaktion, uns selbst für unsere besten Experten zu halten, ernsthaft infrage stellen“, findet sie. In einer Studie hat sie jetzt nachgewiesen, dass wir uns keineswegs auf allen Gebieten von innen heraus besser kennen, als dies unseren Mitmenschen mit ihrem unvoreingenommenen Blick von außen möglich ist: In mancherlei Hinsicht kennen andere uns tatsächlich besser als wir selbst.
Vazire bat 165 Freiwillige ins Labor. Um sich zunächst einen möglichst objektiven Eindruck von deren Persönlichkeit zu verschaffen, legte sie den Frauen und Männern verschiedene Aufgaben vor. Zum Beispiel absolvierten sie einen Intelligenztest. In einer angeblich „hierarchiefreien“ Gruppendiskussion beobachtete die Forscherin, wie stark es die einzelnen Teilnehmer danach drängte, das Zepter in die Hand zu nehmen. Ferner absolvierten die Probanden einen Stresstest, indem sie vor aller Öffentlichkeit einen kleinen Vortrag zu einem heiklen Thema halten mussten: „Was ich an meinem Körper mag und was ich nicht mag“. Am Schluss bewerteten die Versuchspersonen sich selbst und ihre Mitstreiter anhand einer Liste von 40 Persönlichkeitseigenschaften.
Wie sich zeigte, trafen bei bestimmten Persönlichkeitseigenschaften eher die Selbsteinschätzungen ins Schwarze. Andere Eigenschaften hingegen erschlossen sich den Fremden besser als den Betreffenden selbst.
Die Teilnehmer waren immer dann die besseren Kenner ihrer selbst, wenn es um Merkmale ging, die direkt mit ihrem Erleben und ihren Empfindungen zu tun hatten, etwa Traurigkeit oder Angst. Hier war die innere Anschauung, die Introspektion, der äußeren Beobachtung des Verhaltens und der Körpersprache überlegen. „Jeder kennt wahrscheinlich ziemlich genau das eigene Angstniveau“, erläutert die Forscherin. „Andere hingegen können dies von ihrer Warte aus oft nicht gut beurteilen, weil man seine inneren Gefühle maskieren kann.“
Ging es hingegen um Eigenschaften, die sich offen im Verhalten spiegeln, war der Fremdeindruck der anderen der eigenen Innenansicht überlegen. Die experimentellen Mitstreiter konnten zum Beispiel zutreffender beurteilen, wie extravertiert oder introvertiert eine Person war, als diese Person selbst. Vor allem bei Merkmalen, die stark bewertungsabhängig sind, kam die Fremdeinschätzung der Realität näher: Unsere Mitmenschen können demnach besser als wir selbst beurteilen, wie intelligent, kreativ oder attraktiv wir sind – oder eben nicht sind.
Simine Vazire führt diese blinden Flecken in der Selbstbeurteilung darauf zurück, dass Menschen ein starkes Bedürfnis haben, sich selbst in einem guten Licht zu sehen: „Zuzugeben, dass unsere Freunde nicht sonderlich brillant sind, ist weit weniger bedrohlich für uns, als zuzugeben, dass wir selbst nicht brillant sind.“
Bei der Beurteilung mancher Persönlichkeitseigenschaften, so Vazire, werde schlicht das Ziel verfehlt, wenn man – wie in gängigen Fragebögen – allein auf die Gedanken und Gefühle einer Person schaut, ihr Verhalten hingegen ignoriert. Die Psychologin erläutert dies am fiktiven Beispiel eines Mannes, der durch ein grobes, verletzendes Verhalten seinen Mitmenschen gegenüber auffällt. Doch was sich von außen so brutal ausnimmt, fühlt sich vielleicht von innen ganz anders an – unsicher, liebesbedürftig, ständig zurückgewiesen.
Worauf sich wieder die Ausgangsfrage stellt: Was ist „echter“ – die innere oder die äußere Wahrheit? Simine Vazire jedenfalls hält es mit der äußeren: „Persönlichkeit ist nicht, wer man zu sein meint, sondern wer man ist. Manche Leute denken, dass wir per Definition Experten unserer selbst sind, weil wir schließlich die Erzähler unserer Geschichte sind. Doch Persönlichkeit ist nicht die Geschichte – sie ist die Realität.“
Von Thomas Saum-Aldehoff
5. März 2010
Quelle: EurekAlert; Bild: Washington University
Ich bin online, also bin ich
Ich bin online, also bin ich
Junge Menschen sind auf der Suche – nach sich selbst und nach einem Platz in der Gesellchaft. Zu den wichtigsten Orten für ihre Selbstfindung gehören mittlerweile die digitalen Medien und virtuellen Netzwerke. Hier bekommen Jugendliche, was sie brauchen, um in der heutigen Zeit erwachsen zu werden. Von Christina Schachtner
Beachten Sie bitte: Zu diesem Artikel gibt es eine Literaturliste, die nur im Internet abrufbar ist – Sie finden sie unter der Adresse:
www.psychologie-heute.de/literaturliste/
ich_bin_online_1003.html
Am Wochenende sind wir glücklich
Eine Studie bestätigt jetzt, was wir jede Woche aufs Neue erleben: Am Wochenende geht es Menschen deutlich besser als an Arbeitstagen. Von Freitagabend bis Sonntag sind wir gehobener Stimmung, fühlen uns lebendiger und werden weniger von Wehwehchen geplagt als unter der Woche. Das gilt für Bauarbeiter genauso wie für Sekretärinnen, Ärzte oder Rechtsanwälte.
„Berufstätige – selbst solche mit interessanten, angesehenen Jobs – sind am Wochenende glücklicher“, fasst Richard Ryan das Ergebnis seiner Studie zusammen, die er gemeinsam mit Kollegen von verschiedenen Universitäten in den USA durchführte. „Unsere Erkenntnisse zeigen, wie wichtig Freizeit für das Wohlbefinden jedes Einzelnen ist“, sagt Ryan, der an der University of Rochester Psychologie unterrichtet.
Die Probanden der Studie waren zwischen 18 und 62 Jahre alt und arbeiteten mindestens 30 Stunden die Woche. Drei Wochen lang führten sie eine Art Tagebuch, in das sie dreimal täglich eintrugen, was sie gerade taten, wie sie sich dabei fühlten und wie gestresst sie waren. Ebenso hielten sie körperliche Anzeichen von Stress fest, etwa Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme oder Erschöpfung.
Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache: Sowohl Frauen als auch Männer fühlten sich am Wochenende besser – geistig und körperlich. Und das unabhängig davon, wie viel sie verdienten, wie viele Stunden sie arbeiteten, wie gebildet und in welchem Bereich sie tätig waren. Auch Familienstand und Alter spielten keine Rolle.
An den Wochenenden fühlten sich die Probanden außerdem deutlich selbstbestimmter und freier. Sie empfanden eine größere Nähe und Verbundenheit zu den Menschen, mit denen sie zusammen waren. Und überraschenderweise nahmen sich die Teilnehmer bei ihren Wochenendaktivitäten als kompetenter wahr als in ihren Jobs.
Ryan und seine Kollegen glauben, dass darin der Schlüssel zum Verständnis der besseren Stimmung an den Wochenenden liegt: Nach der sogenannten Selbstbestimmungstheorie (self-determination theory), die Ryan gemeinsam mit Edward Deci entwickelte, hängt das Wohlbefinden von Menschen zu großen Teilen davon ab, ob sie ihre Bedürfnisse nach Autonomie, Kompetenz und sozialer Verbundenheit verwirklichen können.
Und das sei nun mal an den Wochenenden besser möglich, so Ryan. Bei der Arbeit müsse man sich dagegen äußeren Zwängen unterwerfen, sich dem Zeitdruck beugen und sein Verhalten den jeweiligen Gepflogenheiten anpassen. Manche müssten außerdem ihre Zeit mit Kollegen verbringen, mit denen sie nichts verbinde.
„Menschen sollten ihre Wochenenden nicht mit Mehrarbeit belasten, denn sie bieten die Gelegenheit, sich mit lieben Menschen zu treffen, eigene Interessen zu verfolgen und zu entspannen – all dies sind grundlegende psychologische Bedürfnisse“, rät Ryan.
Von Anke Römer
15. Januar 2010
Quelle: EurekAlert
Kündigungsgrund Nummer 1 - der Chef
Am Chef hängt vieles: Weiß er zu motivieren, steigt das Engagement der Mitarbeiter, verdirbt er die Freude an der Arbeit, vergrault er sein Team nicht selten sogar. Unter der Leitfrage „Wie führt Ihr Chef?“ können die Beschäftigten in einer noch laufenden Onlinebefragung des Projektteams Testentwicklung an der Ruhr-Universität Bochum ins Detail gehen und ihren Chef anonym bewerten. Mehr als 3500 Teilnehmer haben das Angebot bislang genutzt. Das Ergebnis: Nur 20 Prozent der Befragten sind mit ihrem Vorgesetzten zufrieden. Demgegenüber sind 56 Prozent unzufrieden; 23 Prozent geben ihren Chefs sogar die schlechtmöglichste Bewertung.
Diese erhebliche Unzufriedenheit kann nicht mit einer generell pessimistischen Einschätzung erklärt werden: So bewerteten sich 53 Prozent der Befragten als persönlich erfolgreich. Ebenso viele schätzten ihr Unternehmen als erfolgreich ein. Auch hing die erlebte Zufriedenheit mit der Führungskraft nur gering mit der Einschätzung des eigenen Erfolgs oder dem des Unternehmens zusammen.
39 Prozent der Befragten waren mit ihrer Arbeit insgesamt eher unzufrieden (Noten null bis drei auf der Skala); 35 Prozent vergaben eine mittlere Note zwischen vier und sechs, und 27 Prozent waren sehr zufrieden. Die Arbeitszufriedenheit hing stark zusammen mit der Zufriedenheit mit dem Chef. Ob ein Mitarbeiter mit seiner Führungskraft einverstanden war, hing insbesondere von dem gegenseitigen Vertrauen ab, ferner von dem Gespür der Führungskraft für die Stimmung und für die aktuellen Fragestellungen im Team, dem angemessenen Delegieren, Koordinieren und Organisieren fachlicher Aufgaben und dem fairen Verhalten der Führungskraft gegenüber ihren Mitarbeitern.
Die von Patrick Schardien koordinierte Umfrage im Internet läuft weiter (Leitung: Rüdiger Hossiep). Aufgrund der großen Resonanz wurde die Studie um zwei Aspekte erweitert: Zum einen können die Führungskräfte sich selbst anonym einschätzen und erhalten ebenfalls eine kostenfreie Auswertung ihrer Ergebnisse. Dies kann zum Beispiel dazu genutzt werden, bislang vernachlässigte Handlungsfelder zu identifizieren und in Angriff zu nehmen, um den eigenen Führungsstil zu verbessern. Außerdem können jetzt auch Vorgesetzte das Führungsverhalten ihnen direkt unterstellter Führungskräfte einschätzen.
Teilzunehmen ist weiterhin möglich unter der Webadresse www.testentwicklung.de. Das Ausfüllen des Tests dauert insgesamt rund 30 Minuten. Die Ergebnisse zu den einzelnen Bereichen werden anhand eines Profils dargestellt und einzeln erläutert. Auf Wunsch erhalten die Teilnehmer ihre Ergebnisse per E-Mail zugesandt.
Sind Sie an der Teilnahme an weiteren Studien interessiert? Auf unserer Seite „ Mitmachen!“ stellen wir eine breite Auswahl vor. – Wenn Sie selbst eine wissenschaftliche Untersuchung durchführen und dafür Probanden suchen, bieten wir Ihnen an, Ihre Studie kostenlos auf der Seite „ Mitmachen!“ vorzustellen und um Teilnehmer zu werben.
29. August 2009
Quelle: idw
Das Unbehagen nach dem Urlaub
„Au weia, morgen geht die Tretmühle wieder los!“ – Die Rückkehr an den Arbeitsplatz nach einem langen, schönen Sommerurlaub ist für viele Beschäftigte eine einzige Qual. Zurück am papierübersäten Schreibtisch, haben sie das Gefühl, dass ihnen alles über den Kopf wächst. Tagelang fühlen sie sich leer und antriebslos, bis sie sich ganz allmählich wieder eingearbeitet haben.
Schätzungsweise 35 Prozent der Arbeitnehmer haben nach den Ferien ernsthafte Eingewöhnungsschwierigkeiten, die mit physischen und psychischen Symptomen einhergehen. Experten sprechen vom „Post-Holiday-Syndrom“: Die Betreffenden fühlen sich träge, müde, benommen, es mangelt ihnen an Appetit und Konzentration, das Herz klopft und die Muskeln schmerzen. Sie sind gereizt, ängstlich, niedergeschlagen. Am schwersten erträglich aber ist die Antriebs- und Interesselosigkeit, dieses tiefe Gefühl der Leere.
Um das Post-Holiday-Syndrom zu mildern oder gar nicht erst aufkommen zu lassen, empfehlen Experten, sich selbst nach der Rückkehr aus dem Urlaub eine Zeit der Wiedereingewöhnung zu gewähren, um sich nicht Knall auf Fall, sondern Schritt für Schritt wieder in den Rhythmus des Arbeitsalltags zu begeben:
• „Um dem Blues nach dem Urlaub erst überhaupt keine Chance zu geben, ist es beispielsweise wichtig, nicht direkt vom Flughafen an den Schreibtisch zu hetzen“, rät der Psychologe und DAK-Berater Frank Meiners. „Zwei oder drei freie Tage sollten schon zwischen Urlaubsende und Arbeitsbeginn liegen. Im Idealfall beginnt man an einem Mittwoch oder Donnerstag, damit das Wochenende nicht zu weit entfernt ist.“
• Die freien Tage zwischen der Rückkehr aus dem Urlaub und dem Arbeitsbeginn sollte man nutzen, um seinen Biorhythmus wieder an den Alltag daheim anzugleichen: Schluss mit dem Spät-zu-Bett-Gehen, Siesta wieder einstellen!
• Stürzen Sie sich nicht gleich wie ein Besessener in die Arbeit. Legen Sie immer wieder kleine Pausen ein. „Das senkt den Stresspegel erheblich“, so Meiners.
• Nehmen Sie ein Stück Urlaubsgefühl und Erholung mit zur Arbeit: Dekorieren Sie den Schreibtisch mit ein paar Muscheln oder einem Souvenir, wählen Sie ein Urlaubsfoto als Bildschirmhintergrund für den Computer.
• Auch manche liebgewonnenen Gewohnheiten aus den Ferien lassen sich in den Alltag integrieren. Gehen Sie in der Mittagspause zum Griechen oder zum Spanier und bestellen Sie Ihr Urlaubsgericht (oder holen Sie es sich im Supermarkt). Lesen Sie bei der Heimfahrt in der Bahn den Schmöker, mit dessen Lektüre Sie am Pool begonnen haben. Und nicht nur am Strand lässt es sich prima joggen!
• Überlasten Sie sich nicht – aber schenken Sie Ihrem vorübergehenden Nachferienblues auch nicht übermäßig viel Beachtung, rät die spanische Psychologin Humbelina Robles Ortega von der Universität Granada. Man kann sich da auch in sein Leid hineinsteigern! Versuchen Sie, den Arbeitsalltag „als einen neuen Zeitabschnitt zu sehen, der ebenfalls schöne Momente bereithält“, so die Psychologin. Am besten, man nimmt sich schon vor Arbeitsbeginn an den kommenden Wochenenden gezielt etwas Nettes vor.
• Die Wiedereingewöhnung fällt meist umso schwerer, je länger man dem Arbeitsplatz ferngeblieben war. Deshalb empfiehlt Robles Ortega: Lieber mehrere kurze Urlaube einlegen als einen langen, besser zweimal zwei Wochen als einmal vier. Eine solche Stückelung hat überdies den psychologischen Vorteil, dass einem der Gesamturlaub dann subjektiv länger vorkommt!
21. August 2009
Quelle: DAK, EurekAlert
Fiese Chefs schädigen das Herz
Rücksichtslose Chefs verbreiten nicht nur Stress bei der Arbeit, sie erhöhen auch das Herzinfarktrisiko ihrer Mitarbeiter. Das ergab eine schwedische Studie an über 3000 männlichen Angestellten. Fast zehn Jahre lang erfassten Wissenschaftler des Karolinska-Institutes und der Universität Stockholm die Herzgesundheit ihrer Probanden. Diese waren zur Zeit der Untersuchung zwischen 19 und 70 Jahre alt und arbeiteten im Gebiet von Stockholm.
Alle Teilnehmer sollten den Führungsstil ihrer Vorgesetzten beurteilen und unter anderem angeben, wie gut ihr Chef oder ihre Chefin ihnen Ziele vorgeben und wie gut er oder sie kommunizieren und Feedback geben konnte.
Während der Untersuchung erlitten 74 der Teilnehmer einen Herzinfarkt oder eine akute Angina pectoris, manche von ihnen starben daran. Beide Krankheiten entstehen durch eine Verengung oder einen Verschluss der Herzkranzgefäße.
Diejenigen, die ihren Chefs die schlechteste Führungsqualität bescheinigt hatten, wiesen ein um 25 Prozent erhöhtes Risiko für eine ernste Herzkrankheit auf. Je länger sie unter ihrem Chef zu leiden hatten, desto stärker war allerdings auch das Herz gefährdet: Bei denjenigen, die länger als vier Jahre für dieselbe Firma gearbeitet hatten, war das Risiko sogar um 65 Prozent erhöht. Diese Zahlen gelten unabhängig von anderen Einflüssen wie etwa der Arbeitsbelastung oder körperlichen Risikofaktoren wie Diabetes.
Ein mieser Boss kann also krank machen. Worin genau der Zusammenhang besteht, ist allerdings unklar. Eine Vermutung: Wer sich bei der Arbeit nicht wertgeschätzt und unterstützt fühlt, ist schneller gestresst – und verfällt in ungesunde Verhaltensweisen, die allesamt nicht gut fürs Herz sind: Man raucht mehr, trinkt mehr Alkohol, ernährt sich ungesünder und treibt weniger Sport. Früheren Studien zufolge kann ein unfairer Chef auch den Blutdruck seiner Mitarbeiter nach oben treiben – was ebenso das Risiko einer Herzkrankheit steigert.
Die Forscher raten Vorgesetzten, ihren Mitarbeitern klare Ziele vorzugeben und sie je nach Position mit so vielen Befugnissen und Gestaltungsmöglichkeiten wie möglich auszustatten. Und die gestressten Mitarbeiter? Die können mit viel Sport gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: erstens den aufgebauten Dampf ablassen und zweitens etwas für ihr Herz tun.
Von Anke Römer
29. November 2008
Quelle: BBC
Ansteckende Kilos
Übergewicht ist ansteckend. Besonders gefährdet sind Freunde und Verwandte. Wird eine Person übergewichtig, so haben mit ihr bekannte Menschen ein erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten vier Jahre ebenfalls zu dick zu werden. Das haben Nicholas A. Christakis von der Harvard Medical School in Boston und James H. Fowler von der University of California in San Diego herausgefunden.
Die Forscher werteten Daten von 12.067 Erwachsenen aus den USA aus, die für eine groß angelegte Gesundheitsstudie, die Framingham Heart Study, zwischen 1971 und 2003 erhoben worden waren. In dieser Zeit waren die Teilnehmer alle zwei bis vier Jahre medizinisch untersucht worden, unter anderem auf ihr Gewicht. Mittels der Angaben zu ihrem sozialen Umfeld konnten Christakis und Fowler sich auch über Freunde und Verwandte der Probanden informieren. Viele von ihnen hatten ebenfalls an der Studie teilgenommen. Insgesamt war ein Drittel der Befragten übergewichtig, das heißt, sie hatten einen Body-Mass-Index (BMI) über 25.
Herausgekommen ist Folgendes: Wird eine Person übergewichtig, so steigt die Wahrscheinlichkeit, selbst zu dick zu werden, für Menschen, die diese Person als Freund oder Freundin ansehen, um 57 Prozent. Sehen sich die Beteiligten gegenseitig als befreundet an, steigt die Wahrscheinlichkeit sogar um 171 Prozent. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Freunde Tür an Tür wohnen oder 500 Kilometer voneinander entfernt.
Wird eines von zwei oder mehreren Geschwistern zu dick, besteht für die anderen ein um 40 Prozent erhöhtes Risiko, ebenfalls Fett anzusetzen. Ein ähnliches Risiko besteht für Lebenspartner. Kleine, aber messbare Effekte gibt es sogar bei zu dicken Freunden von Freunden. Übergewicht breitet sich jedoch nicht unter Nachbarn aus – es sei denn, sie sind befreundet.
Einen entscheidenden Einfluss hat das Geschlecht: In gleichgeschlechtlichen Freundschaften und Geschwisterpaaren steigt das Risiko für Fettleibigkeit deutlich. Für gegengeschlechtliche Freunde und Geschwister zeigt sich jedoch überhaupt kein erhöhtes Risiko.
Übergewichtige Menschen suchen sich nicht einfach ähnlich gebaute Freunde aus, betont Christakis. Vielmehr beeinflussen sie andere direkt. Sie ermuntern zum Beispiel Menschen, die bereits ein erhöhtes Körpergewicht haben, noch mehr zu essen.
„Übergewicht ist nicht nur ein individuelles, sondern ein kollektives Problem“, sagt er. Veranstalter von Abnehmprogrammen sollten deshalb immer versuchen, Betroffene gemeinsam mit ihren Freunden und Verwandten einzubinden, empfiehlt Matthew Gillman, Psychologe an der Harvard Medical School und Leiter eines Präventionsprogramms gegen Übergewicht.
Die zunehmende Toleranz gegenüber Gewichtszunahme und kräftigem Körperbau habe zur rapiden Verbreitung von Fettleibigkeit in den USA geführt. Gillman räumt zwar ein, dass das Körpergewicht unter anderem von den Genen und anderen biologischen Faktoren gesteuert wird. „Die genetische Veranlagung allein kann aber nicht die seuchenartige Ausbreitung der Fettleibigkeit in den letzten 30 Jahren erklären“, sagt er.
Von Anke Römer
9. August 2007
Quelle: Harvard Medical School, Boston
Es denkt in uns, ohne dass wir es merken
Wie nutzen intelligente Menschen ihr Gehirn? Ganz intensiv, möchte man meinen, überall im Schädel leuchtet und funkt es. In Wirklichkeit ist es umgekehrt: Je höher der IQ eines Probanden, desto sparsamer schaltet er während einer kniffligen Denkaufgabe sein Frontalhirn ein. Dort sitzt das Arbeitsgedächtnis, also jene Konstruktionswerkstatt, in der das Denken hauptsächlich stattfindet. Intelligente Menschen denken mit weniger Aufwand. Wie ist diese scheinbar so paradoxe Beobachtung zu erklären?
Eine plausible und von Forschungsbefunden gestützte Theorie lieferte der Bremer Hirnforscher Gerhard Roth jetzt auf dem Publikumskongress „Geistesblitz und Neuronendonner“, den der Verein „Turm der Sinne“ vom 9. bis 11. Oktober in Nürnberg veranstaltete. Intelligente Menschen, so Roth, schonen ihr Arbeitsgedächtnis und halten damit ihr Bewusstsein frei für wirklich kreative Aufgaben, die neue Lösungswege verlangen. Alles andere verlagern sie „nach hinten“, in Denkvorgänge, die andernorts im Gehirn ablaufen. Sie komprimieren Informationen, nutzen visuelle Vorstellungsbilder und Denkroutinen. Viele dieser Hilfsdienstleistungen des Denkens sind unbewusst.
Intelligente Denker lassen also das Gehirn für sie denken und wenden ihre bewusste Aufmerksamkeit in der Zwischenzeit anderen Dingen zu.
Überhaupt sind unbewusste und vorbewusste Vorgänge viel stärker an dem, was wir mit unserem Geist tun, beteiligt, als wir bemerken. „Der Informationsfluss fängt im Unbewussten an“, gab John-Dylan Haynes vom Berliner Bernstein Center for Computational Neuroscience in seinem Vortrag Gerhard Roth recht.
Haynes’ Forschungsteam ist es mit komplexen Programmen zur Informationsverarbeitung gelungen, aus den Mustern der Gehirnaktivierung mit einer erstaunlichen Treffsicherheit vorherzusagen, an was die Betreffenden gerade denken. Mit diesen Verfahren ist es auch möglich, „verdeckte Absichten“ der Probanden aufzudecken, zum Beispiel ob diese sich vornehmen, gleich den rechten oder aber den linken zweier vor ihnen befindlicher Knöpfe zu drücken.
Der Clou ist nun, dass die Forscher solche verdeckten Absichten bereits sieben lange Sekunden vor deren Bewusstwerden vom Gehirn ablesen können. Sie wissen also sieben Sekunden vor dem Probanden selbst, wie dieser sich gleich entscheiden wird. Entscheidungen werden folglich in unserem Kognitionsapparat auf einer unbewussten Ebene vorbereitet und sogar gefällt, lange bevor wir selbst bemerken, dass und wie wir uns entschieden haben.
„Das Gehirn weiß mehr über die Außenwelt, als unserem Bewusstsein zugänglich ist“, sagte Haynes. Ständig greifen wir im Alltag bei komplexen Entscheidungen, die unser bewusstes Abwägen überfordern – etwa bei der Wahl des günstigsten Angebots im Dschungel der Handytarife –, auf unsere „Intuition“ zurück, also auf die unbewussten Analysezentren unseres Gehirns. Doch Intuition ist leider keine Zauberei, bedauert Haynes. „Auch intuitive Urteile benötigen immer eine intensive Kenntnis der relevanten Details.“ Nur wer sein Hirn zuvor gefüttert und sich Wissen angeeignet hat, kann sein Unbewusstes für sich denken lassen. Doch Wissenserwerb ist mühsam. Geschenkt wird einem auch beim intuitiven Denken nichts.
Gerade dieses ständige Wechselspiel zwischen Phasen intensiven, anstrengenden Lernens und dann wieder solchen, in denen man sich loseist und das Gelernte setzen lässt, ist charakteristisch für den kreativen Prozess, findet der Heidelberger Psychiater und Psychoanalytiker Rainer Holm-Hadulla. „Kreativität“ komme eben von creare, gestalten, aber auch von crescere, wachsen lassen.
Um die Dynamik zwischen harter Arbeit und Loslassen, zwischen „Flow und Frust“ gezielt zu nutzen, empfiehlt Holm-Hadulla feste Arbeitsrituale: zu bestimmten Zeiten intensiv arbeiten und sich nicht ablenken lassen, dann bewusst etwas anderes tun, damit sich die Dinge im Kopf setzen können. Für Ersteres braucht man Selbstüberwindung – und eine hohe Motivation, die am besten „intrinsisch“ ist, also von innen kommt: Man arbeitet dann am intensivsten, wenn man mit seinem „Selbst“ bei der Sache ist.
„Selbstbezug wirkt aktivierend“, bestätigte auch der Mediziner und Philosoph Georg Northoff von der kanadischen Universität Ottawa. Er und seine Kollegen zeigten Versuchspersonen unter dem Hirnscanner Bilder, die einen starken Bezug zu ihrer Person hatten – dem Konzertpianisten also etwa ein Piano. Wie sich herausstellte, aktivierte dieser Selbstbezug bei den Probanden das Belohnungssystem des Gehirns. „Irgendwie“, so Northoff, „scheint unser Selbst mit Belohnung zu tun zu haben.“
Belohnend wirkt natürlich auch, wenn man ein schönes Sümmchen Geld gewinnt. Dies widerfuhr den Versuchspersonen der Psychologin Monika Keller vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Die Probanden nahmen an einem fiktiven Gewinnspiel teil - und hatten scheinbar auf Anhieb Glück. Sie hätten zehn Euro gewonnen, teilten ihnen die Versuchsleiter mit. Nun hätten Sie die Möglichkeit, die Summe mit ihrem – anonymen und in Wirklichkeit fiktiven – Mitspieler nach eigenem Gusto zu teilen oder aber alles für sich zu behalten. Die meisten waren nicht ganz egoistisch, sondern teilten – allerdings nicht nach der fairen Regel 50:50, sondern sie behielten den größten Teil der Summe für sich.
Monika Keller stellte nun fest, dass selbst bei dem scheinbar so hochgeistigen Vorgang des moralischen Entscheidens intuitive Prozesse mit im Spiel sind. Es zeigte sich nämlich, dass sich die Probanden beim Festlegen des Betrages, den sie an den leidigen Mitspieler abtraten, nicht von ihren eigenen moralischen Ansprüchen leiten ließen, sondern das Geld wohl eher nach intuitiven Regeln aufteilten. Dabei waren sie geiziger, als sie es nach ihren eigenen Fairnessvorstellungen hätten sein dürfen. Auf Nachfragen der Forscherin rechtfertigten sie dieses Beugen der eigenen Moral mit nachgeschobenen Argumenten wie etwa: „Der andere hat ja auch nichts gegeben.“
Der Wissenschaftsphilosoph Holger Lyre von der Universität Bielefeld schließlich verblüffte seiner Nürnberger Zuhörer mit der steilen These, dass wir unser Denken im Alltag nicht nur ständig in die intuitiven Werkstätten des Unbewussten, sondern zu einem beträchtlichen Teil sogar ganz nach draußen auslagern, zum Beispiel in den Körper oder in externe Werkzeuge. So unterstützt uns die Schaufel beim kognitiven Akt des Lochaushebens, und der Speicher des Handys, in dem die Telefonnummern der Bekannten abgelegt sind, ergänzt unser Gedächtnis.
Solche Werkzeuge sind laut Lyre mehr als bloße Hilfsmittel, nämlich funktionale Bestandteile des Denkens. Er und seine philosophischen Mitstreiter nennen das den „erweiterten Geist“ (extended mind). „Kognition“, so Lyres These, „ist nicht nur dem neuronalen Substrat vorbehalten.“ Mit anderen Worten: Wir denken nicht mit unserem Gehirn allein.
Von Thomas Saum-Aldehoff
11. Oktober 2009
Hühnersuppe für die Seele
In unserer Sprache gibt es viele Ausdrücke, die eine kalte Temperatur mit Gefühlen wie Einsamkeit, Verzweiflung und Traurigkeit verbinden: Als „kalt“ bezeichnen wir etwa Menschen, die sich unfreundlich und ungesellig geben; und viele beklagen das in Deutschland immer kälter werdende soziale Klima. Doch neuere Studien zeigen: Es handelt sich dabei nicht nur um originelle Redewendungen – soziale Isolation fühlt sich wirklich kalt an.
Die Psychologen Chen-Bo Zhong und Geoffrey Leonardelli von der University of Toronto haben diesen Zusammenhang von Temperatur und Gefühl genauer untersucht. Dazu teilten sie ihre Versuchspersonen in zwei Gruppen ein: Die einen sollten sich ein Ereignis in Erinnerung rufen, bei dem sie sich ausgeschlossen gefühlt hatten – zum Beispiel, als sie nicht in eine Diskothek eingelassen wurden. Die anderen sollten sich hingegen an ein Erlebnis erinnern, bei dem sie in eine Gruppe aufgenommen und akzeptiert worden waren.
Danach sollten alle Probanden die Temperatur im Untersuchungsraum schätzen. Zwar gaben die Teilnehmer eine weite Spanne von Schätzungen ab – von 12 Grad Celsius bis hin zu 41 Grad. Doch diejenigen, die an ein sozial isolierendes Ereignis gedacht hatten, schätzten die Temperatur durchschnittlich kälter ein als die anderen.
In anderen Worten: Der Gedanke daran, von anderen ausgeschlossen zu werden, ließ Menschen die Umgebungstemperatur als kälter wahrnehmen. „Das Erleben sozialer Isolation fühlt sich also ganz wörtlich ‚kalt‘ an“, sagt Zhong. „Das könnte der Grund dafür sein, warum wir Gefühle des gesellschaftlichen Ausgeschlossen- und Aufgenommenseins mit Beschreibungen der Temperatur ausdrücken.“
In einem anderen Experiment wollten die Forscher diese Gefühle nicht nur in der Erinnerung wachrufen, sondern sie unmittelbar erzeugen. Dazu ließen sie ihre Probanden an einem Mannschaftsballspiel am Computer teilnehmen, bei dem manche den Ball häufig zugespielt bekamen und andere von ihrem Team komplett ausgeschlossen und ignoriert wurden.
Anschließend sollten die Versuchspersonen die Attraktivität bestimmter Getränke und Speisen bewerten – und zwar von heißem Kaffee, Keksen, eiskalter Cola, einem Apfel und warmer Suppe. Und siehe da: Diejenigen Probanden, die beim Ballspiel ausgeschlossen worden waren, äußerten eine deutliche Vorliebe für den heißen Kaffee oder die Suppe. „Warme Hühnerbrühe zu essen ist offenbar tatsächlich eine Bewältigungsstrategie für soziale Isolation“, so Leonardelli.
Ihre Ergebnisse könnten auch für die Erforschung der Winterdepression relevant sein, schreiben die Forscher. Bislang nimmt man an, dass der Lichtmangel in der kalten Jahreszeit für die traurige Stimmung verantwortlich ist. Doch die Studien von Zhong und Leonardelli weisen darauf hin, dass auch die niedrigen Temperaturen ihren Teil zu den Gefühlen von Niedergeschlagenheit und Einsamkeit beitragen.
Von Anke Römer
25. September 2008
Quelle: Association for Psychological Science
Warum Frauen immer weglaufen
„Es ist schon eigenartig“, sagt Rick van der Zwan von der Southern Cross University in Australien: „Wenn ein Beobachter im Dunkeln auf eine Person schaut, von der keine Umrisse, sondern nur an den Gelenken montierte Lichtpunkte zu sehen sind, fällt es ihm schwer, zu erkennen, was er da vor sich hat. Aber in dem Moment, in dem sich diese Person bewegt, nimmt der Betrachter mit einem Schlag wahr, dass es sich um einen Menschen handelt. Mehr noch: Er sieht, ob die Person ein Mädchen oder ein Junge, jung oder alt, ärgerlich oder glücklich ist.“ Und dies allein anhand der Bewegung!
Experimente, bei denen Teilnehmer im Stockfinstern den Gang solcher mit Lichtmarkern versehenen Personen beobachten, haben in der Erforschung der Bewegungswahrnehmung bereits eine längere Tradition. In einigen dieser Versuche war den Forschern ein Phänomen aufgefallen, das man bislang als allgemeine Wahrnehmungstäuschung abgetan hatte: Sobald den Beobachtern keine Anhaltspunkte darüber zur Verfügung standen, in welche Richtung sich die beobachtete Person bewegte, hatten sie unwillkürlich den Eindruck, dass sie auf sie zukam. Wie sich nun aber herausstellt, war die Bewegungsillusion nur deshalb so eindeutig zum Betrachter hin ausgerichtet, weil in den früheren Versuchen ausschließlich Männer als Lichtmarkermodelle fungierten.
In ihrer neuen Studie griffen van der Zwan und seine Kollegen nun sowohl auf männliche als auch auf weibliche Modelle zurück. Das Spektrum reichte von sehr mädchenhaft schreitenden Frauen bis hin zu ungeschlacht daherstampfenden Männern. Das Resultat war verblüffend: Bei den männlichen Figuren hatten die Beobachter den Eindruck, dass die Person mit dem Gesicht voran zu ihnen ausgerichtet war und ihnen entgegenkam. Die weiblichen Figuren hingegen erschienen vom Beobachter abgewandt; sie schienen sich von ihm zu entfernen. Diese Gesetzmäßigkeit war unabhängig vom Geschlecht des Beobachters, das heißt, Männer wie Frauen sahen im Zweifelsfall die männlichen Figuren auf sich zukommen, die weiblichen hingegen weglaufen.
Über den evolutionären „Sinn“ dieser geschlechtsspezifischen Bewegungsillusion können die Forscher bislang nur spekulieren. Für soziale Lebewesen wie den Menschen seien Bewegungsinformationen wichtige Hinweise auf die Absichten und Handlungen ihrer Artgenossen. Ist das Bewegungsmuster jedoch vieldeutig und stehen auch sonst keine Hinweise zur Verfügung, so entscheidet sich die für die Bewegungsanalyse zuständige kognitive Instanz im Zweifel womöglich für die Hypothese mit dem größten Überlebensvorteil: Eine männliche Figur bedeutet potenziell Gefahr. Um rechtzeitig fortrennen zu können, geht der Betrachter am besten sicherheitshalber von der Annahme aus, dass dieser Fremde auf ihn zukommt und ihm womöglich übel will. Bei einer weiblichen Figur besteht aus evolutionärer Sicht hingegen eher dann Handlungsbedarf, wenn sie davonläuft. Vielleicht steckt dahinter ein tief verankerter Überlebensreflex aus Kindheitstagen: Entfernt sich die Mutter, schlägt das Kind Alarm.
19. September 2008
Quelle: EurekAltert
Geld motiviert...
… wenn man mehr bekommt als der Kollege
Mit welchen Gefühlen man auf seinen Gehaltsscheck reagiert, hängt maßgeblich davon ab, wie viel der Kollege verdient. Das legt ein Experiment von Ökonomen und Hirnforschern der Universität Bonn nahe.
Die Wissenschaftler baten Versuchspersonen paarweise, gegen Bezahlung eine einfache Aufgabe durchzuführen. Sie untersuchten währenddessen die Hirnaktivität ihrer Probanden mit einem Magnetresonanztomografen. Das Resultat: Bekam ein Teilnehmer mehr Geld als sein Mitspieler, zeigte das „Belohnungszentrum“ seines Gehirns eine weit stärkere Aktivierung, als wenn beide dieselbe Summe erhielten.
Die 38 männlichen Teilnehmer lagen während des Experiments in zwei nebeneinanderstehenden Hirnscannern. Darin waren sie gleichzeitig mit derselben Aufgabe betraut: Auf einem Bildschirm erschien eine gewisse Anzahl Punkte, deren Menge die Probanden schätzen mussten. Danach wurden sie informiert, ob sie richtig getippt hatten. Falls ja, erhielten sie eine Belohnung, die von 30 bis 120 Euro reichte. Gleichzeitig wurde ihnen mitgeteilt, ob ihr Spielpartner erfolgreich gewesen war und welchen Lohn er dafür einstreichen konnte.
Der Tomograf erfasste derweil, in welchen Hirnregionen der Testpersonen sich die Durchblutung änderte. In gut durchbluteten Gebieten gelten die Nervenzellen als besonders aktiv. „Wir registrierten bei den Teilnehmern während des Experiments in verschiedenen Hirnbereichen eine verstärkte Aktivität", erklärt der beteiligte Neurowissenschaftler Bernd Weber. „Einer davon war das ventrale Striatum – eine Region, in der ein Teil des sogenannten Belohnungssystems sitzt.“
Immer wenn wir eine erstrebenswerte Erfahrung machen, wird das Belohnungssystem aktiv. Die Forscher beobachteten dort wie erwartet eine erhöhte Betriebsamkeit, wenn der Proband eine Aufgabe richtig gelöst hatte. Hatte er dagegen mit seiner Schätzung danebengelegen, nahm die Aktivität ab. Erstaunlicherweise spielte aber auch eine Rolle, wie der Teilnehmer im zweiten Scanner abgeschnitten hatte: „Am höchsten war die Aktivierung bei denjenigen, die richtig getippt hatten, während ihr Mitspieler sich verschätzt hatte“, fasst Webers Kollege Klaus Fließbach das Ergebnis zusammen.
Die Forscher nahmen nun die Fälle genauer unter die Lupe, bei denen beide Partner die Zahl der Punkte korrekt geschätzt hatten. Erhielten die Teilnehmer dafür dieselbe Bezahlung, kam es zu einer vergleichsweise geringen Aktivierung des Belohnungszentrums. Anders war das, wenn der eine Spieler 120 Euro bekam, sein Partner aber nur 60: Dann fiel die Aktivierung bei Spieler 1 viel höher aus. Bei Spieler 2 nahm die Durchblutung im Belohnungszentrum dagegen sogar ab – obwohl er die Aufgabe richtig gelöst hatte und dafür auch belohnt worden war.
„Dieses Ergebnis steht im klaren Widerspruch zur traditionellen ökonomischen Theorie“, erklärt Wirtschaftswissenschaftler Armin Falk. „Danach sollte es nur auf die absolute Höhe der Entlohnung ankommen. Der Vergleich mit anderen sollte dagegen für die Motivation keine Rolle spielen.“ Es ist das erste Mal, dass diese These mithilfe eines derartigen Experiments widerlegt wurde.
„Zumindest Männer scheinen eine große Motivation aus dem Wettbewerb zu ziehen“, resümiert Bernd Weber. Die Forscher wollen nun herausfinden, ob das auch bei Frauen so ist. Außerdem planen sie eine Versuchsreihe mit asiatischen Probanden, um zu erkunden, ob Konkurrenzdenken auch durch die Kultur beeinflusst wird.
13. Dezember 2007
Quelle: idw
Ein wahrer Held fühlt keinen Schmerz
„Ganz tapfer sein“ hilft tatsächlich: Wer sich als Held fühlt und seinem Schmerz einen Sinn beimisst, hat darunter weniger zu leiden als jemand, der seine Schmerzen für nutzlos und unbeeinflussbar hält. Diesen Zusammenhang zwischen der eigenen Rollenwahrnehmung und dem Schmerzempfinden belegten Züricher Forscher um Gerd Folkers.
Die Schweizer Wissenschaftler ließen ihre Probanden in verschiedene Rollen schlüpfen. In einem Szenario übernahmen sie den Part des Helden, der eine Prinzessin retten muss. In einem Labyrinth begegneten sie schließlich ihrem Widersacher, der ihnen anbot, die Prinzessin freizugeben, wenn sie dafür bereit wären zu leiden. Hitzereize am Unterarm waren der Preis für die Befreiung der Prinzessin.
In einem anderen Versuchsdurchlauf teilten die Forscherregisseure ihren Darstellern eine weniger attraktive Rolle zu: Diesmal mussten sich die Probanden in die trostlose Situation eines hilflosen Opfers hineinversetzen. Passiv und eingesperrt, waren sie den Schikanen des Gegners ausgeliefert und mussten sinnlosen Schmerz über sich ergehen lassen.
Zur Kontrolle testeten die Forscher die Schmerztoleranz außerdem nach der Lektüre eines wissenschaftlichen Textes und nach einer zehnminütigen Ruhepause. Um die Schmerztoleranz zu ermitteln, maßen die Untersucher die Leitfähigkeit der Haut, ließen die Studienteilnehmer die Intensität des Schmerzes selbst einschätzen und zeichneten ihre Stimmen vor und nach dem Experiment auf. Das Resultat: Imaginäre Helden tolerierten schmerzhaftere Reize besser.
In der Heldenrolle empfanden die Probanden den Schmerz zwar intensiver, aber weniger unangenehm als in der Rolle des Opfers und bei der Kontrollmessung. Auch tolerierten die „Helden“ höhere Temperaturen, ohne zu jammern. Bei den zur Passivität verurteilten Opfern hingegen sank die Schmerztoleranz: Schon geringe Hitzereize wurden als schmerzhaft empfunden. Die Forscher vermuten, dass das Rollenerleben bestimmte Emotionen auslöst und verstärkt, die wiederum die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.
Die Schmerztoleranz der weiblichen Versuchspersonen war übrigens generell niedriger als die der Männer. Zudem nahmen Frauen die Schmerzen subjektiv stärker wahr. Die Fähigkeit, in der Heldenrolle ihre Schmerztoleranz zu steigern, war aber bei beiden Geschlechtern gleich.
Für ihre Studie wurden die Wissenschaftler beim Deutschen Schmerzkongress in Berlin mit einem Förderpreis ausgezeichnet.
31. Oktober 2007
Quelle: idw
Langsamkeit am Morgen ist ganz normal
Dass sich der Mensch mit Denken und Handeln zu bestimmten Tageszeiten schwerer tut als zu anderen, wissen viele aus eigener Erfahrung. Doch die Wissenschaftler Daniel Bratzke, Bettina Rolke und Rolf Ulrich vom Psychologischen Institut der Universität Tübingen sowie Maren Peters von der Berliner Humboldt-Universität wollten genauer wissen, an welcher Stelle die Informationsverarbeitung zu manchen Tageszeiten stockt.
Dafür haben die Forscher einen experimentellen Ansatz gewählt, mit dem sich drei Phasen der Informationsverarbeitung unterscheiden lassen. Der erste Schritt wird „frühe Wahrnehmungsphase“ genannt, der zweite „zentrale Informationsverarbeitung“ oder Entscheidungsphase, der dritte ist die späte „motorische Phase“. Die Psychologen haben nun nachgewiesen, dass der mittlere Schritt, die Entscheidungsphase, in der Nacht zunehmend mühseliger vonstatten geht. Das Entscheiden dauert von 23 Uhr an stetig länger und erreicht am frühen Morgen gegen sieben Uhr seinen Tiefpunkt.
Für das Experiment blieben sechs Männer 28 Stunden lang wach. Sie hatten während der Versuche keinen Anhaltspunkt, wie spät es war, sondern verbrachten die Zeit im Labor unter konstanten Lichtbedingungen. Alle zwei Stunden wurde getestet. Die Probanden mussten jeweils zwei einander überlappende Aufgaben ausführen, bei denen es darauf ankam, möglichst schnell zu reagieren. Während ein hoher oder tiefer Ton mit dem Drücken der jeweils zugeordneten Taste mit der linken Hand beantwortet werden sollte, erschien als zweite Aufgabe bereits auf dem Bildschirm ein „X“ oder „O“, die wiederum mit einem Tastendruck der rechten Hand einzusortieren waren.
Aus früheren Untersuchungen war bekannt, dass bei Verkürzung der Zeitspanne zwischen dem Beginn der ersten und der zweiten Aufgabe die Versuchspersonen von einem gewissen Punkt an die letztere nur noch mit Verzögerung bewältigen können. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die längere Reaktionszeit bei der zweiten Aufgabe mit einem „Flaschenhals der Informationsverarbeitung“ während der Entscheidungsphase zusammenhängt – einer Engstelle, an der sich die beiden Aufgaben stauen.
Die Forscher stellten nun fest, dass dieser Flaschenhals während der Nachtstunden immer enger wird. Die kürzesten Reaktionszeiten zeigten die Versuchspersonen gegen 23 Uhr, dann wurden sie stetig länger. Gegen sieben Uhr morgens war der Tiefpunkt mit den längsten Reaktionszeiten erreicht. Dasselbe Muster zeigte sich auch für die Verzögerung der zweiten Aufgabe. Daraus schließen die Forscher, dass sich die zentralen Entscheidungsprozesse während der Nacht verlangsamen und ihren Tiefpunkt am frühen Morgen erreichen.
Da sich die Reaktionszeit im Laufe des Vormittags wieder verkürzte, gehen die Forscher davon aus, dass die Effekte nicht nur auf dem Schlafentzug beruhen, sondern mit dem Tagesrhythmus zusammenhängen. Dieser wurde bei den Versuchspersonen über die Konzentration des Hormons Melatonin im Speichel, die Körpertemperatur und die subjektive Schläfrigkeit gemessen. Die Melatoninkonzentration beginnt zwischen 22 und 23 Uhr zu steigen. Dann sinkt die Körpertemperatur und erreicht ihr Minimum am frühen Morgen.
Dass die zentrale Informationsverarbeitung einem Tagesrhythmus unterliegt und nachts langsamer wird, habe durchaus praktische Bedeutung, sagen die Wissenschaftler. Denn bei vielen Aufgaben, bei denen mehrere Handlungen koordiniert werden müssen, kann es zu Staus am Flaschenhals der Informationsverarbeitung kommen. Andere Forscher hatten zum Beispiel vor kurzem festgestellt, dass auch bei der Aufgabe, ein Fahrzeug zu bremsen, der Entscheidungsfluss verlangsamt sein kann. Das Unfallrisiko von Auto- und Lastwagenfahrern ist also in den frühen Morgenstunden nicht nur wegen der erhöhten Müdigkeit erhöht, sondern auch, weil die Informationsverarbeitung gegen Morgen ohnehin langsamer abläuft.
8. Mai 2007
Quelle: idw
Gedächtnisleistung- Vertrautheit - Erinnern
Neuropsychologen identifizieren zwei Prozesse: Vertrautheit und Erinnern
Das menschliche Gedächtnis verleiht uns die Fähigkeit zum Wiedererkennen, also dazu, bewusst zwischen bereits bekannten Ereignissen und neuen Informationen unterscheiden zu können. Mit einem eigens entwickelten Gedächtnistest konnten Neuropsychologen der Universität des Saarlandes nun nachweisen, dass beim Erinnerungsvermögen im Gehirn zwei unterschiedliche Gedächtnisformen zusammenspielen. Je nach Situation entstehen unsere Erinnerungen entweder aus einem Gefühl der Vertrautheit oder basieren auf dem bewussten Wiedererkennen früherer Ereignisse.
„Wie war doch gleich Ihr Name?“ – Ein typisches Beispiel für vertrautheitsbasiertes Wiedererkennen ist die mitunter peinliche Situation, in der uns eine Person bekannt vorkommt, wir aber nicht wissen, wie sie heißt und wann und wo wir sie zum letzten Mal gesehen haben. Ein solches Vertrautheitssignal wird im Gehirn vermutlich in einer speziellen Region, dem „rhinalen Kortex“ im Schläfenlappen, erzeugt. Hier erkennt unser Gedächtnis zusammengehörige Merkmale einer einzelnen Person, wie bei Herrn Müller den gezwirbelten Schnurrbart und seinen Tirolerhut, und zeigt uns dies durch das Vertrautheitsgefühl an.
Die Erinnerung daran, dass wir Herrn Müller beim letzten Sonntagsspaziergang im Park begegnet sind, kann von dieser Hirnregion allerdings nicht hervorgebracht werden. Derartige Verknüpfungen zwischen Merkmalen und Ereignissen (Herr Müller und Sonntagsspaziergang) ist für das Gehirn aufwändiger und wird wahrscheinlich von der „Hippocampus-Formation“ erzeugt, die sich ebenfalls im Schläfenlappen befindet.
Wie das Erinnerungsvermögen des Gehirns genau funktioniert, war in der Gedächtnisforschung bislang umstritten. Lange Zeit vorherrschende Modelle gingen davon aus, dass das Wiedererkennen durch die Reaktivierung einer Gedächtnisspur, sozusagen einen mehr oder minder tiefen „Fußabdruck“ im Gehirn zustande kommt. „Zwei-Prozess-Theorien“ hingegen besagen, dass es zwei unterschiedliche Gedächtnisprozesse gibt, nämlich eben Vertrautheit und bewusstes Wiedererkennen.
Mit dem von den Saarbrücker Neuropsychologen Theo Jäger, Axel Mecklinger und Kerstin Kipp entwickelten Verfahren ließen sich diese beiden Gedächtnisprozesse nun getrennt untersuchen. Dazu wurden die Versuchsteilnehmer gebeten, sich die Gesichter von zwei Personen (etwa Herrn Müller und Frau Schmitz) oder zwei verschiedene Aufnahmen des Gesichts derselben Person (Herr Müller im Skiurlaub und bei einer Geburtstagsfeier) einzuprägen. Während der Bearbeitung dieser Gedächtnisaufgaben wurde bei den Versuchsteilnehmern die Gehirnaktivität mittels bestimmter Kennwerte im EEG begutachtet.
Die Ergebnisse widerlegen die Theorie von einer einheitlichen Gedächtnisspur und bestätigen die Existenz zweier separater Gedächtniskomponenten: Vertrautheit und Rekollektion. Beim Wiedererkennen der Aufnahmen zweier Personen fand sich im Gehirn ein zeitlich später Gedächtniseffekt über dem Scheitellappen – er spiegelt das bewusste Erinnern von früheren Ereignissen wider. Dagegen zeigten die Hirnstrommessungen beim Wiedererkennen der beiden Aufnahmen derselben Person ausschließlich einen zeitlich frühen Gedächtniseffekt über dem Stirnlappen; dieser Prozess bildet das Gefühl der Vertrautheit ab.
Unser Gedächtnis arbeitet also nach einem sehr ökonomischen Prinzip: Situationen und zusammengehörende Merkmale können vom Gehirn schnell und ohne großen Aufwand als vertraut eingeordnet werden: Begegnen wir Herrn Müller, erkennen wir ihn zwar aufgrund seines Tiroler Hutes und seines Schnurrbarts wieder, ohne dass uns jedoch sein Name eingefallen wäre (vertrautheitsbasiertes Wiedererkennen).
In Situationen, in denen solche Vertrautheitssignale nicht zur Verfügung stehen, werden unter höherem Aufwand Verknüpfungen verschiedenster Merkmale aus dem Gedächtnis abgerufen. Dadurch gelingt es uns, Herrn Müller beim nächsten Sonntagsspaziergang im Park mit seinem Namen zu begrüßen (rekollektionsbasiertes Wiedererkennen). Dies kann je nach Situation und Gedächtnisinhalt unterschiedlich gut gelingen.
16. November 2006
Quelle: idw
Sind Bananen blau?
In welcher Farbe wir Objekte wahrnehmen,
hängt von unserem Vorwissen ab
In welcher Farbe wir einen Gegenstand wahrnehmen, steht nicht „naturgegeben“ fest. Die Farbwahrnehmung wird in erheblichem Umfang von unserem Vorwissen über das Aussehen von Objekten beeinflusst. Dies hat jetzt ein Forschungsteam um die Psychologen Thorsten Hansen und Karl Gegenfurtner von der Justus-Liebig-Universität Gießen nachgewiesen.
Bei den Versuchen wurden Probanden Bilder von Früchten gezeigt, die in der Realität immer in einer bestimmten typischen Farbe auftreten. So sind bekanntlich Bananen gelb und Möhren orange. In den Versuchen war es die Aufgabe der Probanden, die Farbe der Früchte am Computer so einzustellen, dass sie „unbunt“ aussahen, also wie auf einer Schwarz-Weiß-Fotografie.
Am Anfang jedes Versuchs wurde dabei die Frucht in einer zufällig gewählten Farbe dargestellt. Die Probanden konnten nun aber die Farbe der Objekte auf dem Bildschirm mittels einer Tastatur verändern. Die Ergebnisse zeigen, dass die Probanden beispielsweise die Banane immer deutlich ins Blaue hin verschoben, gleichgültig in welcher Ausgangsfarbe sie ursprünglich abgebildet war. Sie „überkompensierten“ also die dargestellte Fehlfarbe. Diese systematische Überkompensation ging immer in Richtung der Gegenfarbe und trat bei neutralen Objekten, die keine typische Farbe aufweisen, nicht auf.
Es scheint also, dass Menschen eine Tendenz haben, die Banane immer als gelb wahrzunehmen. Auch dann, wenn sie die Banane auf dem Bildschirm „objektiv“ bereits perfekt farblos eingestellt hatten, nahmen die Versuchspersonen subjektiv noch immer eine leicht gelblich getönte Frucht wahr. Diesen Gelbeindruck erzeugte ihr Gehirn unwillkürlich aufgrund des Vorwissens, wie eine Banane auszusehen habe. Als die Probanden diese subjektive Gelbfärbung auszugleichen versuchten, verschoben sie damit die objektiv dargestellte Farbe ins Bläuliche.
Unser Farbeindruck ist also das Produkt der tatsächlichen Sinnesinformationen und unseres Wissens über das Aussehen von Objekten. Informationen über die Wellenlängen des reflektierten Lichts werden mit den Erinnerungen an die typische Farbe von Objekten kombiniert und bestimmen zusammen unsere Wahrnehmung von Farbe. Die Gießener Forscher berichten über ihr Experiment in der Novemberausgabe 2006 der renommierten Zeitschrift Nature Neuroscience.
2. November 2006
Quelle: idw
Senioren konzentrieren sich auf das Positive
Ältere Menschen richten ihre Aufmerksamkeit auf positive Gefühle und Informationen, und sie vermeiden Negatives. Jüngere hingegen fühlen sich von Negativem eher angezogen. Zu diesem Ergebnis kam jetzt eine Studie.
Forscher um Derek M. Isaacowitz von der Brandeis University untersuchten bei 64 Probanden, wie lange diese künstliche Porträtfotos betrachteten. Die abgebildeten Gesichter waren entweder ängstlich, glücklich, traurig, ärgerlich, oder sie hatten einen neutralen Ausdruck.
Die älteren Versuchspersonen zwischen 57 und 84 Jahren schauten sich länger die glücklichen Gesichter an und vermieden die ärgerlichen. Die jüngeren Probanden zwischen 18 und 21 verweilten hingegen länger bei der ängstlichen Mimik. Dieses Ergebnis stimmt mit anderen Untersuchungen überein, die festgestellt haben, dass jüngere Erwachsene sich eher auf das Negative konzentrieren.
Das Experiment bestätigt die Vermutung der Forscher: Wenn die Zukunft begrenzt erscheint, tendieren Menschen dazu, sich auf Ziele zu konzentrieren, die ihnen in der Gegenwart ein gutes Gefühl vermitteln. Junge Menschen hingegen können noch stärker auf das Prinzip Hoffnung bauen: Deshalb sind sie vielleicht eher bereit, ihre Aufmerksamkeit im Hier und Jetzt auf negative Dinge zu richten.
Von Christine Seiger
12. Mai 2006
Quelle: Derek M. Isaacowitz, Heather A. Wadlinger, Deborah Goren, Hugh R. Wilson: Selective preferences in visual fixation away from negative images in old age? An eye-tracking study. Psycholgy and Aging, Bd. 21/1, 2006; Brandeis University
Erotische Bilder lösen vorübergehende Blindheit aus
Wer kennt sie nicht, diese Geschichten: Ein Mann starrt wie hypnotisiert eine attraktive Frau auf der anderen Straßenseite an und rennt einen Meter weiter gegen einen Pfosten. Oder man fährt mit dem Auto an einer erotischen Werbung vorbei und übersieht sein Ziel an der nächsten Ecke. Amerikanische Forscher konnten dieses Phänomen nun erklären: Emotional aufwühlende Bilder machen uns vorübergehend „blind“.
David Zald, Steven Most, Marvin Chun und David Widders zeigten ihren Probanden Hunderte von Fotos, vor allem Landschafts- und Architekturaufnahmen. Die Versuchspersonen sollten in diesen Serien ein bestimmtes Bild finden. In einigen Durchgängen wurde zwei bis acht Fotos vor dem Zielobjekt ein erotisches oder ein besonders grausames Bild präsentiert. Das Ergebnis: Je näher am Zielobjekt das emotional aufwühlende Foto gezeigt wurde, desto eher verpassten die Probanden das gesuchte Bild. Die Motive nach dem „erregenden“ Foto konnten nicht mehr sorgfältig genug verarbeitet werden. Diesen Effekt tauften die Forscher „emotionsinduzierte Blindheit“ (emotion-induced blindness). Er hält bis zu einer Sekunde an.
„Dies legt die Vermutung nahe, dass emotional erregende Bilder die Aufmerksamkeit auf ähnliche Weise beanspruchen, seien sie nun positiv oder negativ“, erklärt Steven Most. Der Mensch hat nur eine begrenzte Aufmerksamkeitskapazität zur Verfügung, die sich die Forscher wie eine Art Flaschenhals vorstellen. Dieser werde durch das aufwühlende Foto gleichsam „verstopft“, sodass direkt folgende Informationen nicht mehr bewusst wahrgenommen werden könnten.
Doch nicht jeder ist gleich anfällig für die vorübergehende Blindheit. Besonders abgelenkt durch die erotischen oder aufwühlenden Bilder wurden jene Versuchspersonen, bei denen die Forscher eine bestimmte Eigenschaft feststellten: Schadensvermeidung (harm avoidance). Diese Menschen gehen möglichem Schaden aus dem Weg, sind ängstlich und vorsichtig. Je stärker dieses Merkmal bei einer Person ausgeprägt war, desto schlechter schnitt sie bei der Aufgabe ab.
Die Studie wird in der nächsten Ausgabe des Psychonomic Bulletin and Review veröffentlicht.
Von Christine Seiger
16. August 2005
Quelle: The online research journal of Vanderbilt University
Wieviele Informationen können wir gleichzeitig bearbeiten?
Sie wollen ein Problem lösen, kommen dabei aber auf keinen grünen Zweig? Möglicherweise liegt das daran, dass Sie zu viele Informationen auf einmal berücksichtigen wollen. Menschen können nur vier Elemente gleichzeitig verarbeiten, zeigt eine aktuelle australische Studie. Darüber hinausgehende Informationen finden im so genannten Arbeitsgedächtnis keinen Platz mehr.
Dies konnten Graeme S. Halford, Rosemary Baker, Julie E. McCredden und John D. Bain jetzt nachweisen (Psychological Science, 16/1, 2005). 30 Studierende und Akademiker sollten Balkendiagramme interpretieren: Die Höhe der Balken gab wieder, wie beliebt verschiedene Kucheneigenschaften sind, zum Beispiel Schokoladen- oder Karottengeschmack, frisch oder tiefgefroren. Die Abbildungen wurden zusätzlich auch schriftlich erklärt. Wenn etwa der Balken für „frischen Schokoladenkuchen“ höher war als der für „tiefgefrorenen Karottenkuchen“, so lautete die Beschreibung: „Menschen bevorzugen frischen gegenüber tiefgefrorenem Kuchen.“ Wie stark die Probanden nun aber den frischen dem tiefgekühlten Kuchen vorzogen, hing von der Geschmacksrichtung ab. Aber in welcher Weise? Die Antwort ging aus dem Diagramm hervor. Ob die Versuchspersonen die Balken richtig zu interpretieren wussten, testeten die Forscher, indem sie sie den folgenden Satz ergänzen ließen: „Der Unterschied in der Bevorzugung von frisch und gefroren ist für Schokoladenkuchen größer/kleiner als für Karottenkuchen.“
In den folgenden Versuchsdurchgängen steigerten die Wissenschaftler den Schwierigkeitsgrad der Aufgabe: Nun mussten die Probanden nicht bloß zwei, sondern bis zu fünf Eigenschaften des Kuchens gleichzeitig berücksichtigen, um die Diagramme richtig zu interpretieren.
Während die Lösung bei zwei und drei Eigenschaften noch keinerlei Schwierigkeiten bereitete, kamen die Probanden bei vier und fünf veränderlichen Attributen mächtig ins Schwitzen: „Es wird zu viel“ oder „Ich habe Informationen verloren“ waren ihre typischen Aussagen. Entsprechend fiel die Leistung rapide ab, wenn vier statt drei Kucheneigenschaften berücksichtigt werden mussten, und bei fünf Attributen gelang nur noch zufällig die richtige Interpretation.
Dennoch braucht der Mensch im Alltag auch bei komplexeren Fragestellungen nicht aufzugeben: In der Regel kann er die Aufgabe in mehrere Schritte herunterbrechen, sodass er jeweils mit weniger Informationen jonglieren muss.
5. April 2005
Quelle: Graeme S. Halford, Rosemary Baker, Julie E. McCredden und John D. Bain: How many variables can humans process? Psychological Science, Bd. 16/1, 2005
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